Eine zwingende Voraussetzung für die Eignung des Phonographen zum Beschallen mit Tanzmusik war eine ausreichende Lautstärke. Immerhin musste die Musik deutlich lauter sein als die beim Tanzen entstehenden Nebengeräusche – falls denn wirklich zur Aufnahme getanzt werden sollte .
Auf Seiten der Abspielgeräte wurde das Problem mit immer größer werdenden Trichtern und empfindlicheren Schalldosen angegangen. Es gab sogar, produziert von Columbia, zwei Modelle mit mechanischem Verstärker unter Anwendung des Friktionsprinzips. Diese allerdings waren wegen ihres hohen Preises und Gewichts kein großer Verkaufserfolg. Auf Seiten der Walzenaufnahmen kamen für das Einspielen von Tanzmusik nur Instrumente mit kräftigem Klang, vor allem Blasinstrumente, Banjo, Xylophon und Schlaginstrumente, zum Einsatz. Sie spielten bei der Aufnahme typischerweise in gleichmäßig hoher Lautstärke.
Die kleine Übersicht der hier vorgestellten Tanzmusikaufnahmen umfassen einen Zeitraum von gut einem Vierteljahrhundert, beginnend mit den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts. Innerhalb dieser Zeitspanne ist der Wechsel der musikalischen Moden sehr deutlich zu hören: Die in der Zeit der frühesten Tonaufnahmen noch beliebten Mazurkas, Polkas, Schottischen und Quadrillen wurden bald von stärker rhythmisierter Musik verdrängt, wie dem Onestep, Twostep, der Mattchiche. Auf diese wiederum folgten Novelty Rags, Foxtrot und ähnliche, vom späten Ragtime beeinflusste Tänze mit ersten Anklängen des Jazz. Nur der Walzer in schnellem oder langsamem Tempo behielt seine Popularität.

Als Einspielung eines Walzers handelt sich bei diesem Beispiel eindeutig um eine Aufnahme von Tanzmusik. Bei einer Länge von deutlich weniger als zwei Minuten in Verbindung mit ihrem dünnen Klang darf jedoch wohl bezweifelt werden, dass sich irgendjemand durch das Abspielen dieser Walze zum Tanzen hat animieren lassen.


Zu der um 1900 vielfach aufgenommenen „Czarine“ gibt es einen Liedtext, der die damals aktuelle französisch-russische Freundschaft besingt. Damit ist eine um 1890 beginnende diplomatische Annäherung beider Staaten gemeint, die 1894 in einem Militärbündnis mündete. In den Folgejahren kam es zu mehreren Besuchen und Gegenbesuchen des französischen Präsidenten Félix Faure (und später seines Nachfolgers Loubet) und Zar Niklaus II. Der Phonographenhersteller Henri Lioret war in eine dieser Begegnungen persönlich involviert: Bei seinem Besuch der Zarenfamilie in St. Petersburg im August 1897 übergab Präsident Faure den beiden kleinen Zarentöchtern Olga und Tatjana als Gastgeschenk drei Puppen des französischen Herstellers Jumeau. In diese Puppen waren von Lioret konstruierte Phonographen eingebaut, mit deren Hilfe sie sprechen oder singen konnten.



Die Quadrille ist ein stark formalisierter Tanz für vier einander gegenüberstehende Paare. Sie ist meist in fünf „figures“ genannte Tänze von unterschiedlichem Charakter unterteilt.



Der Deckel und vermutlich die gesamte Dose gehört zu einer Aufnahme der Iéna-Polka.

Die Aufnahme ist eine Instrumentalversion der Polka des Englishs, die hier unter den Chansons mit einer Aufnahme von Victor Lejal vertreten ist.


Dasselbe Exemplar ist abgebildet bei https://www.phonorama.fr/autres-cylindres-francais-p2.html .




Die Mattchiche oder Maxixe war ein gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Brasilien entstandener Modetanz. Wie der etwa zur gleichen Zeit entstandene Tango, nahm die Mattchiche zahlreiche Einflüsse europäischer, afrikanischer und karibischer Herkunft auf.


Der Orchesterleiter und Komponist von Tanzmusik und kleinen Orchesterstücken, Hans Christian Lumbye, war langjähriger Leiter des Orchesters im Kopenhagener Vergnügungspark Tivoli. Den Champagnergalopp, ein schneller Tanz im 2/4-Takt, komponierte er 1845 zum zweiten Jahrestag des Tivoli-Bestehens. Die Komposition gibt Lumbyes lebhafte Vorstellung von einer Feier in der britischen Botschaft in Kopenhagen wieder, die er trotz Einladung überhaupt nicht besucht hatte.



Die deutliche ältere Dose gehört nicht zu dieser Walze.

















