Deutsche Lieder

Der Phonograph und das Grammophon leisteten einen wertvollen Beitrag zur Überlieferung der Musik ihrer Zeit. Zugleich aber untergruben sie auf lange Sicht die Vielfalt des musikalischen Erbes, indem sie die populäre Musik der westlichen Welt überallhin verbreiteten. Cakewalk und Ragtime waren in diesem Sinne die Vorboten des Siegeszuges einer expansiven, amerikanisch geprägten Popmusik. So steht der Phonograph auch am Beginn des Aussterbens einer lebendigen Volks- und Kunstliedtradition und der Verdrängung einer alltäglichen Musizierpraxis.

Auch wenn es nur wenige Exemplare sind, so geben die deutschen Lieder der hier zusammengefassten Sammlungen einen kleinen Einblick in die um 1900 noch sehr lebendige Liedtradition in Deutschland. Damals war das romantische Erbe noch greifbar, gleichzeitig gab es in der Kaiserzeit einiges an patriotischem Liedgut und kurzlebigen Kompositionen, wie die „Froschkantate“, die heute wohl niemand mehr kennt.

Emil Münch mit Klavierbegleitung: In einem kühlen Grunde (Joseph von Eichendorff, Friedrich Silcher). Edison Gold Moulded Record, German Series 12798, 1902.

Leider rauscht die Aufnahme ziemlich stark.
August Junker mit Orchesterbegleitung: Dradel-dum! Edison Goldguss Walze 15428, um 1905.
Oberfläche einer 2-Minuten-Gusswalze
Unbekannter Sänger mit Klavierbegleitung: Lachwalzer. Excelsior Hartguss-Walze 4197, verm. um 1905.
Männerquartett „Die Fidelios“: Froschkantate (Henning). Edison Goldguss Walze 15399, 1906.

Rezension in: „Phonographische Zeitschrift“, 7. Jg. Nr. 7, Berlin, 15. 02.1906, S. 130-131. Rubrik „Phonokritik“ von Max Chop:
„Nr. 15399. Henning: „Froschkantate“ mit Orchesterbegleitung, gesungen vom Männer-Quartett: „Die Fidelios“. – Famose musikalische Arbeit, gesunder Humor und vortreffliche Darbietung machen die Aufnahme besonders wertvoll. Die mannigfachen Harmonisierungen, das Auf- und Abfluten der Stimmen, zumteil in der Nachahmung strengen Stils bei der Schilderung der kleinen grünen Kerle, die Mischung der vox humana mit dem Begleit-Orchester, endlich die Nachahmung des Frosch-Chors mit seinem „Quak‘ Quak! Brekekekex:“ à la Aristophanes sind äußerst belustigend. Der Text ist selbst da zu verstehen, wo er auf viele Stimmen verschieden verteilt wird.“
Emil Münch mit Orchesterbegleitung: Die Wacht am Rhein (Carl Wilhelm, Max Schneckenburger). Edison Goldguss Walze 12810, 1906.

„Die Wacht am Rhein“ hatte im deutschen Kaiserreich den Status einer zweiten Nationalhymne. Auf doppelseitigen Schellackplatten dieser Zeit sind oft beide Lieder gemeinsam vertreten.
Edison Concert Band: Die Wacht am Rhein (Carl Wilhelm, Max Schneckenburger). Edison Blue Amberol Record 2443, 1914.

Auch in den USA, in England und sogar in Frankreich wurden viele Aufnahmen dieses patriotischen, tendenziell antifranzösischen Liedes veröffentlicht. Der Zweck der Instrumentaleinspielung von „Die Wacht am Rhein“ durch Edisons Studioband dürfte vor allem darin bestanden haben, eine Instrumentalbegleitung zum Mitsingen zu liefern.
Paula Wirth mit Orchsterbegleitung: Eine Lachstudie. Edison Goldguss Walze 16018, um 1906.
Meistersänger-Quartett mit Orchesterbegleitung: Nach der Predigt. Edison Goldguss Walze 15582, um 1906.
Oberfläche einer 2-Minuten-Gusswalze Wachs
Renoth und Huber: Der fesche Jagersbua. Jodlerduett mit Orchesterbegleitung. Edison Goldguss Walze 15454, 1907.
Edison Quartett mit Karl Höhne, Kornett: Der lustige Postillon (Rose). Edison Goldguss Walze 15938, 1908.